TPIÒ - Testprozess-Bewertung und -Verbesserung
M. Pol, T. Koomen, S. Gerstner
IQUIP Informatica B.V., Niederlande

 


Auf der Grundlage der Erfahrungen einer Vielzahl professioneller Tester hat IQUIP das Test Process Improvement (TPI)-Modell entworfen. Das TPI-Modell ermöglicht die Beurteilung des Reifegrads von Testprozessen und bietet Unterstützung bei der Optimierung von Testprozessen einer Organisation. Darüber hinaus hilft das Modell bei der Definition von pragmatischen, zielgerichteten und überprüf­baren Optimierungsschritten.

Beschreibung des Modells

Das TPI-Modells besteht aus folgenden Haupt­elementen:

Abb. 1: Elemente des TPI-Modells

1.     Kerngebiete,

2.     Ebenen

3.     Kontrollpunkte,

4.     Entwicklungsmatrix,

5.     Optimierungsvorschläge.

Diese Elemente werden nachfolgend kurz erläutert.

Kerngebiete

Zur optimalen Einrichtung eines Testprozesses gilt es eine Vielzahl von Aufgaben zu bewältigen. Im TPI-Modell sind diese Aufgaben in 20 Kerngebiete gruppiert. Diese Kerngebiete bilden den Ausgangs­punkt zur strukturierten Analyse und Optimierung eines Testprozesses. Die Kerngebiete decken folgen­de Themenschwerpunkte ab:

1.     Teststrategie: in welchem Umfang basieren die Testaktivitäten auf einer expliziten Strategie?

2.     Phasenmodell: welche Phasen werden innerhalb des Testprozesses unterschieden?

3.     Zeitpunkt der Beteiligung: wann werden Tester in den Softwareprozess einbezogen?

4.     Etat und Planung: gibt es einen fundierten Etat und eine fundierte Planung?

5.     Techniken zur Testfallermittlung: kommen informelle/formelle Techniken zum Einsatz?

6.     Statische Testtechniken: in welchem Maße werden sie verwendet?

7.     Metriken: welche Arten von Metriken kommen zum Einsatz?

8.     Testtools: in welchem Umfang ist der Test­prozess automatisiert?

9.     Testumgebung: wie ist der Zugriff auf die Test­umgebung geregelt?

10.  Testarbeitsplatz: werden Testarbeitsplätze früh­zeitig geregelt?

11.  Engagement und Motivation: wie ist das "Stan­ding" des Testens im Unternehmen?

12.  Testfunktionen und Ausbildungen: wie gut sind diese Punkte organisiert?

13.  Reichweite der Methodik: welchen Anspruch hat die eingesetzte Methodik?

14.  Kommunikation: auf welcher Ebene sind Test-relevante Besprechungen organisiert?

15.  Berichterstattung: welche Qualität haben die Testberichte?

16.  Fehlerverwaltung: wie ist die Fehlerverwaltung organisiert?

17.  Testwaremanagement: wer ist hierfür verant­wortlich?

18.  Testprozessmanagement: wie umfassend ist das Management ausgerichtet?

19.  Prüfungen, Inspektionen: welche Techniken und Strategien kommen zum Einsatz?

20.  White-Box-Testarten: gibt es eine Phasierung, den Einsatz von Techniken und eine spezielle Strategie?

Ebenen

Um den Reifegrad eines Testprozesses bestimmen zu können sind alle Kerngebiete in mehrere Ebenen (A, B C und D) unterteilt. Die Anzahl der Ebenen je Kerngebiet ist dabei unterschiedlich. Durchschnitt­lich sind je Kerngebiet drei Ebenen definiert. Jede Ebene umfaßt eine Anzahl von Anforderungen die zu deren Erreichen erfüllt sein müssen. Je höher die Ebene (C ist höher als B, B ist höher als A), desto höher sind auch die Anforderungen. Falls die Anforderungen der Ebene A eines Kerngebietes durch einen Testprozess nicht erfüllt werden, dann befindet er sich bezüglich dieses Kerngebietes auf dem Ausgangsniveau. Zum Erreichen einer höheren Ebene (z.B. Ebene C) müssen auch die Anfor­de­rungen der niedrigeren Ebenen (z.B. Ebenen A und B) erfüllt werden. Durch ein Assessment wird je Kerngebiet bestimmt, auf welcher Ebene sich ein Testprozess befindet.

Kontrollpunkte

Die Anforderungen je Ebene sind als Kontrollpunkte formuliert. Dies sind Fragen, die positiv beantwortet werden müssen, um für diese Ebene in Betracht zu kommen. Mit Hilfe der Kontrollpunkte kann ein Testprozess bewertet und für jedes Kerngebiet die entsprechende Ebene festgestellt werden. Jede nächst­höhere Ebene eines Kerngebietes stellt eine Verbes­se­rung dar. Die Kontrollpunkte sind daher kumulativ: um für Ebene B in Betracht zu kommen, muß der Test­prozess sowohl den Kontrollpunkten von Ebene B als auch denen von Ebene A entsprechen.

Entwicklungsmatrix

Zur Veranschaulichung von Prioritäten und Ab­hän­gig­keiten zwischen Kerngebieten und deren Ebenen enthält das TPI-Modell als Kernstück eine Entwicklungs­matrix. In der Matrix sind vertikal die 20 Kerngebiete und horizontal 13 Entwicklungs­stufen aufgeführt. Die Ebenen (A,B,C und D) je Kerngebiet sind jeweils einem der 13 Entwick­lungsstufen zugeordnet.

Abb. 2: TPI-Matrix

Hauptzweck der Entwicklungsmatrix ist es, die Stärken und Schwächen eines Testprozesses darzu­stellen und die Diskussion bezüglich der Priori­sierung von Optimierungsstufen zu unterstützen.

Optimierungsvorschläge

Die Optimierungsvorschläge bieten Anregungen zur Testprozessoptimierung. Für jeden Übergang auf eine andere Ebene bietet das TPI-Modell eine Vielzahl von Optimierungsvorschlägen. Die Verwendung der Vorschläge und der darin enthaltenen Hinweise und Tipps ist im Gegensatz zur Anwendung der Kontroll­punkte jedoch nicht zwingend vorgeschrieben.

Erfahrungen mit dem Einsatz des TPI-Modells

Das TPI-Modell wird von IQUIP seit zwei Jahren eingesetzt. Mittlerweile wurden mehr als 30 Assessments von Testprozessen bei diversen Kunden insbesondere aus dem Bereich Banken, Ver­siche­rungen und Telekommunikation ausgeführt. Bei einem Großteil dieser Projekte schloß sich direkt an das Assessment die Realisierungsphase an.

Die von IQUIP untersuchten Unternehmen befanden sich zum größten Teil auf den ersten beiden Stufen der 13-stufigen TPI-Matrix. Die erste Phase der Optimierung zielte daher meist auf das Erreichen der Stufe 5 der TPI-Matrix. Hierdurch kann der Test­prozess als "kontrolliert" eingestuft werden.

 

Für die Realisierung dieses Ziels waren durch­schnittlich sechs bis neun Monate erforderlich. Die Zeitspanne war dabei stark abhängig vom Umfang der jeweiligen Organisation sowie der Bereitstellung der erforderlichen personellen Ressourcen und deren Ver­teidigung gegenüber dem Tagesgeschäft.

Folgende Punkte haben sich bei der Durchführung der di­versen Projekte als be­son­ders wichtig erwiesen:

·       Die Zielsetzung und der Untersuchungsbereich sollten bereits beim Assessment eindeutig definiert werden.

·       Erste Zwischenergebnisse sollten noch während des Assessments mit dem Auf­traggeber besprochen werden.

·       Die Umsetzung der Opti­mierungsmaßnahmen sollte als Verände­rungs­prozess behandelt werden. Hierfür sind u.a. das Com­mittment des Manage­ments, der dedizierte Ein­satz eines "Change Managers" sowie inten­si­ve Kommunikation mit allen Beteiligten erfor­derlich.

 

Literatur:

Koomen, T., Pol, M. (1999), Test Process Im­provement, a practical step-by-step guide to structured testing, Addison-Wesley, ISBN 0 201 59624 5

Internet: http://www.iquip.nl/tpi/index_tpi_duits.html Hier findet man u.a. verschiedene TPIâ-Dokumente zur Einsicht und zum Herunterladen. Ferner besteht die Möglichkeit für Fragen oder Anmerkungen

 

 

Adresse:

Stefan Gerstner   
IQUIP Informatica B.V.      
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