So wie die "Maschinen"-Techniken seit der Erfindung der doppelt wirkenden
Niederdruck-Dampfmaschine des James Watt (1765) in mehreren Phasen über
mehr als 200 Jahre viele Aspekte des täglichen Lebens (vom Begriff der
Arbeit und des Arbeitsplatzes über Formen von Wirtschaften und Leben
bis zur Gestaltung von Rechtssystemen) in damals unvorhergesehener Weise
umgeprägt haben, führen nun die "Engines" der Informatiktechniken
zu einer weiteren, eventuell noch weiterreichenden Umprägung der überkommenen
Lebensformen. Beiden Entwicklungen ist jedoch gemein, dass die Gestaltung
ihrer Techniken durch die Anbieterseite geprägt wurde, während
die Abnehmerseite vor allem die Mängel der anfänglich kaum durch
Qualitätsmassnahmen geprägten Produkte erleiden musste. Die Entwicklung
des industriellen Qualitätsbegriffes ist nämlich erst unter schmerzhaften
Begleiterscheinungen erzwungen worden, sei es durch erzwungene Einsicht der
Hersteller ("Dampkessel-Überwachungsverein", heute TÜV), sei es
durch aktive Juristen (R. Nader: "Unsafe at any speed").
Der Vortrag zeigt auf, dass die heute bereits spürbare Abhängigkeit
vieler Unternehmen und Organisationen von den unzulänglichen I&K-Techniken
auf Annahmen zurückzuführen ist, welche bei der Entwicklung dieser
Techniken implizit zugrunde gelegt werden. Insbesondere der Aufbau komplexer
Systeme aus modularen, interoperierenden Teilsystemen hat bereits zu nicht
mehr überschaubaren Anwendungen geführt. In den heutigen Software-Dickichten
verstecken sich - zumeist erst "post mortem" erkennbar - die Klassen der
Viren, Würmer und Trojanischen Pferde, der Dialer, Passworddiebe und
Hackersoftware, der Spyware, üblen Scherze (hoaxes) und Spams.
Vor dem Hintergrund der sich entwickelnden "ubiquitären" und "nomadischen"
Netzanwendungen, welche die Komplexität noch weiter steigern und die
Durchschaubarkeit der Systeme noch weiter eingrenzen, wird aufgezeigt, welche
Anforderungen aus Verbrauchersicht zu "beherrschbaren" (wenn auch nicht völlig
"sicheren") Systemen führen können. In einer Analogiebetrachtung
zur Entwicklung der Industriegesellschaft wird plausibel gemacht, wann etwa
solch beherrschbare I&K-Techniken zur Verfügung stehen könnten.