Kryptographie in der Diskussion

Diplom-Informatiker Hanns-Wilhelm Heibey
Bereichsleiter Informatik beim und Stellvertreter des Berliner Datenschutzbeauftragten

Die Anwendung starker kryptographischer Methoden ist den Strafverfolgungsbehörden und Geheimdiensten weltweit ein Dorn im Auge. Die Verschlüsselung von Nachrichten macht das legale Abhören und Mitschneiden ebenso unmöglich wie das illegale. Die Sicherheitsbehörden stehen dieser Entwicklung daher ablehnend gegenüber und verlangen, daß ihnen die Nutzung ihres Instrumentariums weiter möglich gemacht wird. Viele Länder haben unterschiedliche Lösungen gefunden, die alle umstritten sind und deren Wirkung zweifelhaft ist. Amerikanische Ausfuhrbeschränkungen starker Kryptoverfahren und das Fehlen restriktiver Regelungen haben in Deutschland zu einer Blüte der einschlägigen Industrie geführt. Sie ist bereits bedroht, denn hinter verschlossenen Türen streiten sich Regierungsgremien um den richtigen Weg: Verbot,restriktive Regulierung oder Freigabe der Kryptographie. Sicherheitsbehörden wollen Verbot oder Restriktion. Wirtschaft und Wissenschaft warnen davor ebenso wie die Datenschützer. Die Wirtschaft fürchtet Nachteile für die Vertraulichkeit von Firmengeheimnissen und für die prosperierende Kryptoindustrie. Wissenschaftler und Datenschützer weisen darauf hin, daß Verbote und Restriktionen die von ihren Befürwortern erhofften Wirkungen nicht entfalten können: Sie können umgangen werden, ohne daß die Lauscher es bemerken. Gleichzeitig wird Kriminellen die Möglichkeit gegeben, Geheimnisse zu erlangen und für kriminelle Zwecke zu mißbrauchen. So werden die Grundrechte der Bürger an der Vertraulichkeit ihrer Kommunikation beschränkt und zugleich der organisierten Kriminalität ein weiteres Betätigunsfeld geöffnet, ohne daß andere Betätigungsfelder wesentlich beeinträchtigt werden.